GRÜN LIEST! Lesung aus dem Roman »Ommas Glück. Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG« von und mit Chantal Louis am 26.10.2015 in der Mediathek Bad Krozingen

Auf Einladung der Grünen Wahlkreisabgeordneten Bärbl Mielich und des grünen Kreisverbands Breisgau-Hochschwarzwald fand am 26.10.2015 in der Mediathek Bad Krozingen die erste Lesung im Rahmen einer geplanten GRÜN liest!-Reihe mit Chantal Louis und ihrem Buch »Ommas Glück. Das Leben meiner Großmutter in ihrer Demenz-WG« statt.

Omma, das ist Frau Edeltraut Karczewski, zieht mit 83 Jahren, so erläutert Chantal Louis nach der Einführung und Autorinnenvorstellung durch Bärbl Mielich, zum ersten Mal in ihrem Leben in eine Wohngemeinschaft in Wanne-Eickel. Ihre Mitbewohner sind wie sie alle dement. Ein Experiment, das sich jedoch als goldrichtige Entscheidung entpuppt, als Ommas Glück eben.

Auf wunderbar liebevolle und heitere Art und Weise erzählt Louis Buch vom gemeinschaftlichen Leben der selbstorganisierten Demenz-WG; vom charmanten Günther, von Edith, der nur noch das ‘Nein’ als aktiver Wortschatz geblieben ist, die sich aber gerne schick macht, von Marianne, die zu Ommas Gefährtin wird (und auch zu deren Ehemann bzw. -frau), von gemeinsamem Backen und Gärtnern, vom Singen und Tanzen, aber auch von schwierigen Tagen und der Herausforderung für die Angehörigen, die sich mitentwickeln müssen und lernen, dass Kreativität und Improvisation dazu gehören. »Dann ist eben Donnerstag (statt Montag). Dann lebt die längst verstorbene Mutter eben«, schreibt Louis in ihrem Buch. In vielen kleinen Anekdoten zeigt  »Ommas Glück«, dass Selbstbestimmtheit und Individualität auch für Menschen mit Demenz möglich sind.

Für die Grünen hier in Baden-Württemberg sei das Thema, wie wollen Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf leben, ganz zentral und aktuell, erläutert die pflegepolitische Sprecherin der Fraktion GRÜNE im Landtag, Bärbl Mielich, im Anschluss an die Lesung. „Dass gerade kleine und dezentrale Wohnformen für Menschen mit einer Demenzerkrankung eine gute Alternative zur stationären Einrichtung darstellen, zeigen Studien und Modellprojekte wie zum Beispiel der Adlergarten in Eichstetten oder die WeGe e.V. in Emmendingen. Sie sind ein Gewinn für alle Beteiligten: die BewohnerInnen, die Angehörigen, die Pflegenden und auch das Dorf, den Stadtteil, das Quartier”, so Mielich. Alle seien eingebunden in Entscheidungen und deren Umsetzung. Das stärke das Wir-Gefühl. “Ich bin nach wie vor überzeugt von diesem Konzept und wirklich froh, dass wir als grün-rote Landesregierung auch in Baden-Württemberg mit dem neuen Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG), das wir im letzten Jahr auf den Weg gebracht haben, die ordnungspolitischen Weichen gestellt haben dafür, dass gerade diese Form des selbstorganisierten Wohnens gestärkt und gefördert wird”.

Viele Fragen hatten die zahlreichen Gäste an Chantal Louis und auch Bärbl Mielich, wie sich in der anschließenden Diskussion zeigte. „Insgesamt war es in der Tat eine sehr gelungene und schöne Veranstaltung in toller Atmosphäre”, so Saskia Hynek vom Vorstand des grünen Kreisverbands Breisgau-Hochschwarzwald. Es sei ja kein ganz einfaches Thema und dennoch lasse einen der Abend heiter und zuversichtlich zurück.

 Hintergrund:
Chantal Louis, geboren 1969 in Gelsenkirchen, hat an der Universität Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert. Nach einem Volontariat bei den Ruhr-Nachrichten arbeitete sie als freie Mitarbeiterin des WDR-Landesstudios Dortmund. Seit 1994 ist sie Redakteurin bei der Zeitschrift Emma in Köln. Nach einem Auslandsstipendium im westafrikanischen Benin arbeitet Chantal Louis außerdem als freie Journalistin für Print und Hörfunk, u. a. für WDR und Deutschlandfunk. 2010 erhielt sie für eine Reportage über die Bergmannsiedlung, in der sie aufgewachsen ist, den Internationalen Journalistenpreis der Ruhr. Buchveröffentlichungen u. a.: »Damenwahl: Vom Kampf um das Frauenwahlrecht bis zur ersten Kanzlerin«, zusammen mit Tissy Bruns, hg. von Alice Schwarzer (2008); »Monika Hauser: Eine Ärztin im Einsatz für kriegstraumatisierte Frauen« (2010).

Das Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz
Mit dem am 31.05. 2014 in Kraft getretenen Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz (WTPG), welches das alte Landesheimrecht ablöst, haben wir die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen für die Stärkung von selbstorganisierten und trägerunabhängigen Wohnformen sowie für ambulant betreutes Wohnen geschaffen. Wir wollen wohnortnahe Strukturen und Dienste schaffen. Das Zusammenwirken von professioneller Pflege und bürgerschaftlichem Engagement, wie es insbesondere in kleinräumigen Einheiten bereits gut funktioniert, ist für uns besonders förderwürdig, weil wir hierin die Möglichkeit sehen, dass pflegebedürftige Menschen, auch an Demenz erkrankte Menschen, möglichst selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld altern können. Seit November 2014 gibt es eine Beratungsstelle in Stuttgart. Angesiedelt beim KVJS

 

 

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