Bürgerschaftliches Engagement als soziale Säule für das Leben auf dem Land – Frauenmatinée mit Bärbl Mielich MdL in Münstertal

Auf große Resonanz stieß die Einladung der grünen Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich und des Bündnis 90/ Die Grünen Kreisverbandes Breisgau-Hochschwarzwald zur Frauenmatinée am 30.03.2014 im Café Talstation in Münstertal zu dem Thema „Bürgerschaftliches Engagement als soziale Säule für das Leben auf dem Land“.

„In Baden-Württemberg engagieren sich Tag für Tag über 40% der BürgerInnen freiwillig und unentgeltlich für andere Menschen, Initiativen oder Projekte“, erklärte Bärbl Mielich bei der Begrüßung zu Beginn der Veranstaltung. „Sie gestalten die Umgebung aktiv mit, übernehmen Verantwortung und leisten so einen wesentlichen Beitrag für unsere Gesellschaft“. Im ländlichen Raum sei die Bereitschaft sich zu engagieren besonders groß. Es fehle jedoch an einer Anerkennungskultur, die dieses Engagement adäquat unterstütze. „Gesellschaftliches Engagement muss freiwillig ausgeübt werden, darf aber nicht dazu führen, dass Bürgerinnen und Bürger kostenlos Aufgaben von professionellen Fachkräften übernehmen,“ betonte die Abgeordnete. „Drei beispielhafte Projekte aus der Region, die auf der Grundlage bürgerschaftlichen Engagements entstanden sind und betrieben werden, stellen sich heute vor“.

Begrüßung Bärbl Mielich

Insa Räuber und Angelika Weber, beide im Vorstand der Bolando eG, berichteten über die Entstehung des genossenschaftlich geführten Gasthaus „Bolando“ in Bollschweil. Begonnen hatte alles mit einem sanierungsbedürftigen Gebäude im Ortskern von Bollschweil und dem Wunsch der Bevölkerung nach einem Dorfgasthaus. „Am Anfang musste beim Bürgermeister und den Gemeinderäten sehr viel Überzeugungsarbeit für diese Idee geleistet werden“, berichtet Insa Räuber. 2006 sei dann die Genossenschaft Bolando eG gegründet worden. Viele BürgerInnen und alle örtlichen Vereine hätten Genossenschaftsanteile gekauft. „Das ganze Dorf hat mitgeholfen bei der Sanierung und dem Ausbau des Gebäudes. Die Bevölkerung hat für die Arbeiter gekocht und mit Hand angelegt und 2010 konnte das Dorfgasthaus Bolando seinen Betrieb aufnehmen“. Die Leute im Dorf seien sehr froh, dass sie am Abend im Ort noch einkehren können, berichtete Angelika Weber. „Vereine kommen nach der Probe vorbei und im Dorf sind mehrer Frauengruppen entstanden, die sich im Bolando treffen“. Der Gasthausbetrieb werde von 4 Hauptamtlichen und 25 Aushilfskräften betrieben. Beim Einkauf wird großen Wert auf die Regionalität der Produkte gelegt.

Das zweite Leuchtturmprojekt bürgerschaftlichen Engagements stellte Sabine Lais, Vorstandsmitglied der „Bürgergemeinschaft Eichstetten e.V.“ vor. Es sei der Wunsch der Menschen aus dem Ort gewesen, etwas zu tun, damit auch alte Menschen im Dorf bleiben können, auch wenn sie es allein in ihrer Wohnung nicht mehr schaffen, berichtete Sabine Lais über die Entstehung der Bürgergemeinschaft Eichstetten e. V. Heute betreibe die Bürgergemeinschaft Eichstetten ein Bürgerbüro, eine Tagesstätte, den Adlergarten für Menschen mit Demenz und das Café Miteinander, das Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anbietet. Alle Angebote sind im Schwanenhof untergebracht, der an der Stelle des ehemaligen Gasthaus „Zum Schwanen“ errichtet wurde. Ebenfalls im Schwanenhof sind auch 17 Wohnungen für ältere Menschen entstanden. Hilfsbedürftige Menschen können gegen eine Aufwandentschädigung Unterstützung von aktiven Mitgliedern der Bürgergemeinschaft in Anspruch nehmen. Im Adlergarten können bis zu 11 pflegebedüftige oder an Demenz erkrankte Menschen aufgenommen werden. „Wenn die Leute aus dem Dorf selbst etwas aufbauen, steht das ganze Dorf auch dahinter“, so Sabine Lais. Durch die ganzen Angebote seien auch Arbeitsplätze im ländlichen Raum vor allem für Frauen geschaffen worden. Flexible Arbeitsmodelle ermöglichten den Frauen neben der Landwirtschaft stundenweise zu arbeiten. „Das nächste Projekt wird ein zweiter Adlergarten sein“, kündigte Frau Lais an. Der Anteil älterer Menschen nehme zu. „Da muss ein Dorf zusammenhalten“.

Der Bürgerverein Grunern e.V. wiederum sei in anderen Bereichen aktiv, wie Dr. Ulrich Wüst berichtete. Gegründet wurde der Verein nach der Eingemeindung nach Staufen. Die Dorfbevölkerung hatte sich schlecht vertreten gefühlt. Viele wichtige Infrastruktureinrichtungen wie das Rathaus, die Poststelle usw. seien geschlossen worden, das Dorf drohte auszubluten.
Frauenmatinee_Uli Wuest

Der Bürgerverein vertritt die Interessen des Dorfes gegenüber öffentlichen Trägern wie Gemeiderat und Stadtverwaltung und hat sich zum Ziel gesetzt, die Dorfgemeinschaft lebendig zu erhalten und das Dorf für Jung und Alt attraktiv zu machen. „Ein wichtiges Ziel war es, die Grundschule und den Kindergarten im Ort zu halten, was auch gelungen ist“, erklärte Dr. Wüst. Der Verein ist auch aktiv in der Kernzeitbetreuung in der Grundschule. Das neueste Projekt des Bürgervereins Grunern ist der Dorfladen. Angesiedelt in dem 35 qm großen alten Milchhäusle sichert der Dorfladen das Einkaufen im Dorf, denn Grunern hat keinen ÖPNV. Ohne Auto wird das Einkaufen da schwierig. „Der Laden wird von der Bevölkerung gut angenommen“, berichtet Uli Wüst. Der Ladenbetrieb wird mit vier Angestellte auf 450 Euro-Basis und ehrenamtlich Tätigen betrieben.

Zum Abschluss informierte Bärbl Mielch über die Landesengagemenstrategie, die von der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung, Gisela Erler, entwickelt worden war. Zur Unterstützung von Projekten die mit bürgerschaftlichem Engagement entstanden sind, habe die Landesregierung 700.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Frauenmatinee Gäste

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