Grüne Abgeordnete fragen nach dem Sicherheitszustand der Reaktordruckbehälter des AKW Fessenheim

PRESSEMITTEILUNG
08.02.2015

Landtagsabgeordnete der GRÜNEN hatten sich mit einer parlamentarischen Initiative an die Landesregierung gewandt und Fragen zum Zustand der Reaktordruckbehälter (RDB) im AKW Fessenheim und zu den Auswirkungen des Störfalles vom 9. April gestellt.

„Der Sicherheitszustand des Atomkraftwerks Fessenheim wirft immer neue Fragen auf“, so die Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich „Nach über dreißig Jahren Betrieb und unzähligen Schnellabschaltungen wollten wir wissen, wie die Beschaffenheit und damit die Sprödbruchsicherheit der Reaktordruckbehälter ist. Sollte es zu einem Bruch kommen, ist die Atomkatastrophe nicht mehr aufzuhalten“. Die Antworten des Umweltministeriums seien insgesamt sehr umfangreich, im Hinblick auf die Sicherheit der Reaktordruckbehälter allerdings nicht beruhigend, stellen die Abgeordneten fest. „Das Atomkraftwerk Fessenheim sollte lieber heute als morgen stillgelegt werden. Dies gilt für beide Reaktoren“.

Die Prüfung der Sprödbruchsicherheit der Reaktordruckbehälter des AKW Fessenheim war im Rahmen der 10-Jahresrevision durch die französische Atomaufsichstbehörde ASN erfolgt. Wie der Mitteilung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft zu entnehmen sei, habe die ASN als zuständige atomrechtliche Behörde unter Hinzuziehung von technischen Gutachtern die Nachweise des Betreibers geprüft und dabei auch die Ergebnisse des Gutachtens der Gruppe unabhängiger Wissenschaftler (GSIEN) berücksichtigt. Insgesamt sei die ASN zu dem Ergebnis ge-kommen, dass der Sicherheitsnachweis unter Einbeziehung der in den kommenden zehn Jahren zu erwartenden Bestrahlung erbracht sei. Die ASN sehe keine sicherheitstechnischen Gründe, die einem Weiterbetrieb entgegenstünden. Es seien jedoch Auflagen und weitere Nachweise zur Quantifzierung der noch vorhandenen Sicherheitsreserven gefordert worden.

In diesem Zusammenhang gibt das Umweltministerium zu bedenken, dass die Strahlenversprödung der Reaktordruckbehälter durch die Neutronenbestrahlung mit der Betriebszeit zunehme. Auch wenn nach Prüfung der ASN die sicherheitsrelevanten Grenzen nicht erreicht seien, würden doch die Abstände zu diesen Grenzen, die Sicherheitsmargen, im Laufe der Zeit aufgezehrt. Die Sicherheitsmargen der in Deutschland noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke seien weitaus größer.

Im Hinblick auf die Sicherheit sei neben der Versprödung des Reaktordruckbehältermaterials durch die Neutronenbestrahlung die thermische Ermüdung als zusätzlicher Alterungseffekt zu beachten. Vor allem schnelle zeitliche Termperaturveränderungen und starke räumliche Temperaturunterschiede seien dafür relevant. Betriebliches Abfahren und Reaktorschnellabschaltungen würden zwar zur thermischen Materialermüdung beitragen, schwerwiegende Belastungen hingegen treten bei Kühlmittelversluststörfällen auf, wenn große Mengen kalten Notkühlwassers in den Reaktordruckbehälter eingespeist würden.

Wie das Umweltministerium weiter berichtet, befindet sich die Landesregierung in einem regen Dialog mit verschiedenen Stellen in Frankreich und habe bei zahlreichen Anlässen vorgebracht, dass eine möglichst rasche Abschaltung des AKW Fessenheim aus Sicherheitsgründen für die Bevölkerung für notwendig erachte und diese sehr begrüßen würde.

Sie habe wiederholt deutlich gemacht, dass die geforderte Abschaltung des AKW Fessenheim nicht nur wirtschaftliche Nachteile, sondern auch Entwicklungsmöglichkeiten für die Region zur Folge habe. Das Land habe das Interesse an einer engen Kooperationen auf wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Gebiet, beispielsweise einem „Kompetenzcluster Rückbau“, bekundet.

Hier findet sich die kleine Anfrage der Abgeordneten sowie die Antwort aus dem Umweltministerium BW:
Antwort UM kA Fessenheim

Verwandte Artikel