Veranstaltung zum Thema „Inklusive Gemeinschaftsschule“ in Müllheim

Informations- und Diskussionsveranstaltung

Am 26.06.2013 fand im Bürgerhaus Müllheim (Kleiner Saal) eine Informationsveranstaltung zum Thema „Inklusive Gemeinschaftsschule“ statt. Veranstalter war der Grüne Ortsverband Müllheim-Neuenburg und Umgebung. Es sprachen Bärbl Mielich MdL, Vorsitzende des Sozialausschusses des Landtags von Baden-Württemberg, und Helmut Gattermann vom „freiburger bündnis eine schule für alle“.

Inklusive Schule Veranstaltung

Helmut Gattermann vom berichtete begeistert von einer Studienreise in Südtirol im Rahmen eines EU-Projektes. Bereits 1966 wurden in Südtirol die Sonderschulen abgeschafft, 11 Jahre später auch die Kooperationsklassen. Alle Kinder gehen bis zur 8.Klasse in die gleiche Schule. Gattermann berichtete von einer Schüler-Lehrer-Relation von 1:8 oder 1:9 und von ansprechend gestalteten Klassenräumen. Wertschätzung und Achtsamkeit gegenüber Menschen und Material habe er immer wieder in den verschiedenen Schulen erlebt. Alle Kinder besuchten bis zur 8. Klasse die gleiche Schule. Im Mittelpunkt stehe das Lernen nicht das Lernziel. Es gebe kein Selektieren durch Noten. In den Südtiroler Schulen sei das Modell einer inklusiven Gemeinschaftsschule weitgehend verwirklicht.

Die Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich berichtete von ihren Eindrücken einer Studienreise des Sozialausschusses des Landtages nach Schweden und Norwegen. Beide Länder hätten die UN-Behindertenrechtskonvention (BRK) noch nicht ratifiziert. Dennoch sei vor allem Schweden schon sehr weit, mit der Umsetzung von Inklusion und mit der Gleichstellung von Frauen. Bereits seit 30 Jahren gebe es in Schweden keine Sonderschulen mehr. Persönliche Assistenz ermögliche es auch Menschen mit Behinderung ihr Leben weitgehend selbstbestimmt zu gestalten, sowohl während der Schulzeit als auch als Erwachsener. Schweden habe schon sehr lange das Recht auf Teilhabe in der Verfassung verankert.

Im Hinblick auf Baden-Württemberg erklärte Bärbl Mielich, dass das neue Schulgesetz erst zum Schuljahr 2014/2015 in Kraft treten solle. Es solle kein Schnellschuss werden, sondern alle Aspekte gut durchdacht sein und Eltern, Lehrer und die Kommunalpolitik müssten mitgenommen werden. Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit.

In der sich anschließenden lebhaften Debatte wurden Hindernisse und Unwägbarkeiten aufgezeigt, mit denen Lehrerinnen und Eltern bei der inklusiven Beschulung zu kämpfen hätten. Bärbl Mielich bedankte sich für die offene Diskussion und versprach, die Hinweise mit nach Stuttgart zu nehmen und in die Diskussion um das neue Schulgesetz einfließen zu lassen.

Die Badische Zeitung berichtete am 29.06.2013 ausführlich über die Veranstaltung:
http://www.badische-zeitung.de/muellheim/landesregierung-will-mehr-zeit-fuer-konzepte-lassen–73184086.html

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