Positionspapier: Potenziale des Alters nutzen

Menschen leben länger, weniger Kinder werden geboren. Dieser Entwicklung muss eine zukunftsweisende Politik begegnen. Menschen, die aktuell aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sind in der Regel fit, haben Zeit und Lust, sich zu beteiligen.

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Perspektivwechsel, der sich davon verabschiedet, Menschen die älter werden vor allem mit einem Defizitansatz zu betrachten. Stattdessen wird es in Zukunft immer mehr darauf ankommen, die im Leben des Einzelnen erworbenen Potenziale zu nutzen.

Das bezieht sich zum einen auf die Entwicklung von Ausbildungen und Weiterbildungen für ältere ArbeitnehmerInnen, die es ihnen ermöglichen, länger als bisher erwerbstätig zu sein. Dazu müssen alle Akteure zusammen wirken. Die Landespolitik muss diesen Prozess moderieren und durch Modellprojekte und den gezielten Einsatz von ESF-Mitteln eigene Impulse setzen.

Es bezieht sich zum anderen auf die Nutzung spezifischer Kompetenzen älterer Menschen, die sich gerne aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen und gestalten wollen.

Barrierefreiheit schaffen

Begegnungsorte im Quartier, im Dorf können diese Entwicklung und ihre Potentiale nutzen. Dazu braucht es Initiativen vor Ort, die vom Land unterstützt werden. Wichtige Voraussetzung für unbehinderte Kommunikation und Begegnung ist die Barrierefreiheit, nicht nur für ältere Menschen auch für ganz junge. Der Wohnungsbau in Baden-Württemberg muss mit seinen Förderkriterien dem entsprechen, indem Dörfer und Quartiere mit ihren Straßen und Gebäuden einen barrierefreien Zugang sichern.

Für den Unterstützungsbedarf bei der Bewältigung ihres Alltags wollen wir
die unabhängige Beratung für Menschen mit Pflegebedarf stärken. Die in diesem Jahr eingerichteten Pflegestützpunkte in Baden-Württemberg sind ein erster Schritt. Allerdings ist ein Stützpunkt pro Landkreis und Stadt ein Tropfen auf den heißen Stein und wird dem Ziel, individuelle Beratung zu leisten in keiner Weise gerecht. Wir wollen die Beratungsangebote deutlich ausweiten mit dem Ziel für den einzelnen passgenaue Unterstützungen anzubieten, damit alle, die es wollen, so lange wie möglich in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung , in ihrem Quartier oder ihrem Dorf leben können und nicht in ein Pflegeheim umziehen müssen.

Neue Wohnformen unterstützen

Dazu sollen in Zukunft mit Unterstützung des Landes deutlich mehr neue Wohnformen, wie z.B. kleine, betreute Wohneinheiten im Ort oder im Quartier gefördert werden. Das Zusammenwirken von professioneller Pflege und bürgerschaftlichem Engagement, wie es insbesondere in kleinräumigen Einheiten gut funktioniert, ist besonders förderungswürdig..

Transparenz schaffen

Wir brauchen transparente Strukturen, die es möglich machen, sich über alle Heime und Einrichtungen ein Bild zu verschaffen und deren Leistungen und Qualität vergleichen zu können.. Dazu braucht es eine umfassende Qualitätssicherung für alle Einrichtungen, aber auch für alle pflegerischen Dienste. Dazu muss das neue Landesheimgesetz vollständig überarbeitet werden..

In Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Initiativen, die ein Leben für Menschen mit Demenz neu organisieren. Wohngruppen entstehen, die Betreuung und Pflege wird oftmals unter großer Beteiligung bürgerschaftlichen Engagements erbracht. Diese ehrenamtlich Engagierten müssen professionell begleitet und geschult werden. Bestehende Modelle sollen ausgewertet werden mit dem Ziel, „best-practice“- Beispiele auch auf andere Standorte zu übertragen.

Neben der Weiterentwicklung einer Zusammenarbeit professioneller und ehrenamtlicher Betreuung und Pflege müssen wir auch auf den zunehmenden Mangel an Pflegekräften reagieren. Dabei geht es zum einen darum, mit Hilfe verschiedener Maßnahmen das Berufsbild attraktiver zu machen (z.B. verbesserte Aus- und Weiterbildung, angemessene Bezahlung, Aufstiegsmöglichkeiten) und durch neue Studiengänge pflegerische Berufsbilder zu schaffen, die mehr Kompetenzen und selbstständige Tätigkeiten umfassen. Darüber hinaus muss der ambulante Bereich in der Pflege deutlich ausgebaut werden.

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