Bärbel Mielich (re.) mit  Prof. Dr. Mertins und MdB Sylvia Kotting-Uhl bei der Vorstellung des Gutachtens

Bärbel Mielich (re.) mit Prof. Dr. Mertins und MdB Sylvia Kotting-Uhl bei der Vorstellung des Gutachtens

Gutachten zur Sicherheit des AKW Fessenheim vorgestellt: Fessenheim ist noch gefährlicher als bisher bekannt

Pressemitteilung
10.12.2015

Gutachter und Grüne Abgeordnete stellen neues Gutachten zum AKW Fessenheim in Bad Krozingen vor.

Fessenheim ist eines der gefährlichsten Atomkraftwerke, von denen Deutschland betroffen ist. Atomkraft-GegnerInnen und Grüne fordern schon lange eine sofortige Stilllegung. Im Interesse der Schadensvorsorge beauftragte die Bundestagsfraktion und die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen den Atomsicherheitsexperten Professor Dr. Manfred Mertins, die gravierendsten Defizite der Anlage zu identifizieren und fachlich zu bewerten.

„Das AKW Fessenheim ist eine große Gefahr für die Region“, so die Landtagsabgeordnete Bärbl Mielich bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste. „Um die Forderung nach sofortiger Stilllegung mit stichhaltigen Argumenten zu untermauern, haben wir dieses Gutachten bei Prof. Dr. Manfred Mertins in Auftrag gegeben. Es zeigt erschreckend deutlich, dass die Sicherheitsdefizite gravierender sind, als bisher bekannt. Ein Weiterbetrieb der Anlage ist unverantwortlich. Wir hoffen, dass die Erkenntnisse aus dem Gutachten die Stilllegung beschleunigen“ .

Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl erklärte: “Mit dem Gutachten im Rücken werden wir die Bundesregierung auffordern, mit deutlich mehr Nachdruck als bisher in Frankreich auf die Stilllegung des AKW Fessenheim hinzuwirken. Die Bundesregierung hat eine Fürsorgepflicht gegenüber der deutschen Bevölkerung, diese vor Strahlung zu schützen“.

 

von li nach re: Prof. Dr. Mertins, MdB Sylvia Kotting-Uhl, MdL Bärbl Mielich

von li nach re: Prof. Dr. Mertins, MdB Sylvia Kotting-Uhl, MdL Bärbl Mielich

In Deutschland hätte die Atomaufsicht das AKW Fessenheim bereits stillgelegt, erklärte Gutachter Prof. Dr. Manfred Mertins. Vor allem die systemischen Schwächen des Sicherheitssystems seien ein Problem, z. B. bei Erdbeben. Sicherheitsrelevante Einrichtungen seien auch häufig vermascht, das heißt nicht unabhängig und voneinander getrennt. Daher bestehe das Risiko, dass bei einem Fehler nicht nur eine Einrichtung, sondern gleich mehrere ausfallen. Die elektrische Energieversorgung notwendiger Funktionen erfolge bei bestimmten Ereignisabläufen kurzzeitig durch Batterien mit einer Zeitdauer von nur einer Stunde. Viele wichtige Systeme seien nicht Erdbebensicher ausgelegt.

„Eine ausreichend zuverlässige Störfallsicherheit ist somit – nach deutscher Rechtsauffassung – nicht gegeben“, erklärt Prof. Dr. Manfred Mertins. Es sei auch fraglich, ob mit Nachrüstungen die Defizite so behoben werden könnten, dass das Atomkraftwerk den erforderlichen Sicherheitsanforderungen entspräche. Dazu fehle der Platz. In Frankreich gäbe es Planungen, ein Sicherheitszentrum außerhalb der Gebäude zu errichten, das bei einem Ereignis wie z. B. einem Erdbeben die stark beschädigte Anlage weiter steuern kann. Das sei aber noch Zukunftsmusik und die Funktionalität unsicher.

„Fessenheim erfüllt nicht einmal die von Frankreich selbst beschlossenen europäischen Anforderungen an Atomkraftwerke” so Sylvia Kotting-Uhl. Aus ihrer Sicht müsste ein Land, dessen Bevölkerung von grenznahen ausländischen Atomanlagen in Mitleidenschaft gezo-gen werden könnte, ein Mitspracherecht bei der Sicherheit der Anlage haben.

Der Gutachter

Manfred Mertins ist seit mehr als 30 Jahren als Sachverständiger für AKW-Sicherheit tätig, davon bis zum Ruhestand etwa 25 Jahre bei der Hauptsachverständigenorganisation der Bundesatomaufsicht. In der Fachwelt ist er geschätzt als einer der profiliertesten deutschen Sachverständigen für nationale und internationale AKW-Sicherheitsanforderungen. Er war Projektleiter der vom damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin 2003 initiierten Erarbeitung eines neuen deutschen kerntechnischen Regelwerks, das im November 2012 in Kraft trat. Auf europäischer Ebene entwickelte er im Auftrag der Bundesregierung bei WENRA, einem Gremium europäischer Atomaufsichts- und Genehmigungsbehörden, einen Katalog von Mindestanforderungen an laufende AKW. Er ist Gründungsmitglied von INRAG (International Nuclear Risk Assessment Group), einer von Wolfgang Renneberg und anderen unabhängigen Fachleuten initiierten Vereinigung anlässlich des dritten Jahrestages von Fukushima.

Das Gutachten

Das Gutachten in voller Länge ist für Interessierte hier zu finden.

Presseberichte zur Vorstellung des Gutachtens finden sich in den folgenden Links:

 

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